Schal

Einen Schal zu weben ist eine dankbare Angelegenheit. Durch die Länge des Stücks hat man viele Gestaltungsmöglichkeiten. Man übt sich in Geduld und Durchhaltevermögen. Der Bewunderung  anderer Menschen kann man sich nach dem Weben so eines langen  Stücks sicher sein. Und man hat verhältnismäßig wenig Nacharbeit.

Was ist das ideale Alter zum Weben?

Die Frage ist leicht zu beantworten: 7 bis 11 Jahre. Das schließt andere Altersgruppen keinesfalls aus. Auch 5- und 6 -jährige weben gern. Bei ihnen ist der Web-eifer oft von der Tagesform und Lust abhängig. Beim nächsten mal können sie sich mit gleichem Eifer für andere, neue Dingen interessieren. Kinder über 11 Jahren wenden sich mehr äußeren, gruppenbildenden Tätigkeiten zu (was das Weben nicht unbedingt hergibt). Trotzdem kann ich sagen, dass ich in allen Altersgruppen immer wieder auf Kinder, in der Regel sind es Jungs, getroffen bin, die man als Webfanatiker bezeichnen kann.

Kinder fragen (4)

Persönliche Fragen von Kindern rühren einen Erwachsenen wohl am meisten. Sehr vielfältige Fragen haben Kinder an mich gestellt. Sehr oft kommt die Frage: „Wie lange machen sie das schon?“ „Wo haben sie das gelernt?“.

Oft wird gefragt: „Wie alt sind sie?“, und um mein in den Augen der Kinder astronomisches Alter zu rechtfertigen, erzähle ich meistens dazu, dass ich ja eine Oma bin. Prompt hörte ich darauf : „Ich find das echt gut, dass du als Oma so was machst!“

„Wie weit haben sie es nach Hause?“ „Fahren sie mit dem Rad oder mit dem Auto?“ (Noch mehr verblüffte es mich, als das Mädchen sofort sagte: „Na, da müssen sie heute aber ganz schön strampeln!“ – der Wind wehte stark). „Haben sie Kinder/Enkelkinder?“ Ja, unvermittelt fragte einmal ein Mädchen: „Wo haben sie ihren Mann kennen gelernt?“

Die Reihe der Fragen könnte noch lange weiter gehen. Die am allermeisten gestellte Fage ist: „Ist jetzt oben oder unten dran?“ (Nach der gerade nötigen Stellung des Webekamms).

Kinder fragen (3)

Ein relativ geringer Teil der Kinder stellt technische Fragen. Eine der am meisten gestellte Frage – sie betrifft das Spinnen am Spinnrad – ist: „warum dreht sich das kleine Rad schneller als das große?“, worauf ich  etwas über Durchmesser und Übersetzungsverhältnis erzähle.  Oder: „ich versteh´ gar nicht, warum die Fäden nach oben und nach unten gehen“ „Das hat mit den Fäden in den Löchern zu tun. Sie sind in den Löchern eingeklemmt und müssen mit dem Kamm nach oben und nach unten gehen“. Es kommt auch vor, dass ein Kind gar nicht fragt, sich aber plötzlich an die Stirn schlägt und ruft: „Ach, jetzt versteh´ ich das!“ Die Frage: ´Wer hat das Weben erfunden?` wird sehr oft gestellt, eine schöne Gelegenheit, über die Universalität des Webens  zu erzählen. Auf jeden Fall ist festzustellen, dass das Weben das Denkvermögen der Kinder in Gang setzt und schult.

 

Kinder fragen (2) – ein Kelim

Seit meinem letzten Eintrag über die Kinder. die nach der Kelim-Unterlage fragen, war dieser Kelim schon wieder mehrmals Gegenstand von Fragen. Irgendetwas muss an dem Stück sein, was die Kinder in den Bann zieht. Sie haben selber erst ein paar Schuss selbst gewebt, da erkennen sie schon: „Oh, das muss aber schwer sein, den zu weben. Da webt man bestimmt drei oder vier Tage dran!°“

Hergestellt wurde er in Arizona in einer indianischen Weberei, und ich wünschte mir, dass die Susie (ihr Name steht darauf) wüsste wie viele hundert Kinder ihr gewebtesStück  als Webunterlage hatten und wie oft nach ihrem Namen gefragt wurde.

 

 

Kinder fragen (1)

Besonders schön ist es, wenn Kinder Fragen stellen, weil man merkt, was in ihnen vorgeht. Das Weben ist dafür eine schöne Gelegenheit, weil die Kinder, sobald sie die Technik begriffen haben, sich nicht übermäßig stark konzentrieren müssen, und die Fragen sozusagen von allein aufkommen. Eine Frage, die sehr oft und auch sehr bald gestellt wird, ist die nach gewebten Gegenständen im Raum. Die kelimartig gewebte Unterlage unter dem Webrahmen bemerken viele sofort: „Ist das auch gewebt?“  „Wie bekommt man das Muster hin?“ „Das muss doch sehr schwer sein  (bzw. sehr lange dauern), so etwas zu machen“. Oder: „Wer hat das gewebt?“ oder „Haben sie das gewebt?“.  Auch andere gewebte Gegenstände im Raum oder sogar an ihrer Kleidung fallen ihnen auf.

Schildkröte 3

Diese Schildkröte ist ebenfalls von der Originalschildkröte inspiriert. Joshua wollte sie von den anderen unterscheiden und nahm sich vor, seine Schildkröte „im Wasser“ zu weben. Zufrieden sahen wir beide das Ergebnis an, und Joshua stellte fest: „Von hinten sieht die Schildkröte wie ein Biber aus“. Erstaunt stellte ich fest, dass das tatsächlich der Fall ist.

 

 

Schildkröten (Teil 2)

Das Foto der gewebten Schildkröte hing in unserem Webraum, und dieses Foto animierte weitere Kinder zum Weben einer Schildkröte

Schildkrötenkissen

Schildkröten (Teil 1)

Nur sehr wenige Kinder haben die Vorstellung, etwas Bildliches weben zu können. Der 10-jährige Tristan sagte sofort in der ersten Webstunde, dass er eine Schildkröte weben möchte. Bei den beiden Füßchen half ich, sie waren das Komplizierteste daran. DenKörper der Schildkröte webte Tristan ohne Schwierigkeiten.

Zwillinge

Zwillinge

Max und Paul

Max und Paul sahen sich nicht ähnlich und waren mit ihren knapp fünf Jahren eigentlich etwas zu jung für die Webtherapie. Trotzdem habe ich gerade von Max eine erstaunliche und effektive Lernmethode erfahren: Er wiederholte einmal laut und nachdrücklich alles was ich ihm beibrachte, und von da an „saß“ es perfekt. Wenn sich in seine Arbeitsweise ein Fehler eingeschlichen hatte, sagte ich ihm z. B.: „Du musst die Schlinge durchziehen!“ Er wiederholte: „Schlinge durchziehen!“ und von da an kam es nie mehr vor, dass er die Schlinge nicht durchzog. Diese Lernmethode hatte ihm sicher niemand beigebracht, sie kam aus ihm selbst und brachte ihm einen ungeheuren Vorteil seinem Bruder Paul gegenüber. Der war seinem Bruder Max gegenüber in vieler Hinsicht unterlegen und auch sonst für sein Alter unterentwickelt. Das Tragische an der Zwillingsbeziehung war, dass beide maßlos eifersüchtig aufeinander waren und keine Gelegenheit ausließen, ihre Rivalität auszuleben. Oft war es Paul, der damit anfing, denn Max ruhte in sich und hatte es „nicht nötig“ seinen Bruder zu provozieren. Ich hörte Dialoge wie: „Die Decke ist für meine Mama“ und prompt kam es vom Nebentisch: „Nein, das ist meine  Mama!“ Sie hielten sich in ihrem nutzlosen Streiten so lange auf, dass sie mit ihrer Webarbeit nicht     weiter kamen und besonders Paul nichts fertig bekam. Ich trennte die Zwillinge, so dass Max Gelegenheit zu kontinuierlicher Arbeit hatte, und Paul der aussichtslose Vergleich mit seinem Bruder erspart werden konnte.